PROS: Die prosodischen Eigenschaften komplexer Wörter im Englischen

Projektleitung

Doktorand

Javier Sanz Álvarez

Zusammenfassung

Phänomene, die die prosodische Struktur komplexer Wörter betreffen, spielen eine zentrale Rolle in heutigen Theorien zur Phonologie-Morphologie-Interaktion. Genannt werden häufig Phänomene des Akzenterhalts (wie z.B. in orìginálity, das den Primärakzent der Basis oríginal als Sekundärakzent erhält) sowie der morphologisch spezifischen Akzentzuweisung in der Derivationsmorphologie, bei der die Position des Wortakzents in komplexen Wörtern von der morphologischen Klasse abhängig ist. Ein Beispiel ist wiederum orìginálity, wo das Suffix –ity die Positionierung des Hauptakzents auf der Antepänultima bestimmt. Diese Position ist eine charakteristische Eigenschaft aller Derivativa auf ‑ity (vgl. z.B. auch pròductívity, monstrósity, etc.).

Die Existenz sowohl akzenterhaltender als auch akzentverschiebender Prozesse gilt gemeinhin als Evidenz für Grammatikmodelle, die davon ausgehen, dass die Schnittstelle zwischen Morphologie und Phonologie in Strata organisiert ist. Andererseits liefern Phänomene des Akzenterhalts Argumente für Theorien, die davon ausgehen, dass Wortakzent lexikalisch repräsentiert ist, und für solche, die annehmen, dass paradigmatische lexikalische Beziehungen für grammatische Prozesse relevant sind. Eine entscheidende Grundannahme in einem Großteil der theoretischen Literatur ist jedoch, dass morphophonologische Regeln der Akzentzuweisung kategorisch sind, und dass Variation nur als  Produkt zufälliger oder lexikalisierter Ausnahmen deutbar ist. Gerade diese Annahme scheint jedoch im Lichte neuerer empirischer Arbeiten problematisch. Diese liefern erste Evidenz, dass sowohl das Ausmaß als auch die Systemtizität von Variabilität für viele der einschlägigen Prozesse bisher weitgehend unterschätzt wurde (vgl. v.a. Collie 2008 zum Akzenterhalt, Bauer et al. 2013 zur Akzentzuweisung). Im Hinblick auf die Systematizität der Variation deutet sich ferner an, dass diese durch lexikalische Faktoren wie etwa durch Frequenz und phonologische Ähnlichkeitsbeziehungen innerhalb des Lexikons beeinflusst wird.

Das Projekt widmet sich der systematischen Erforschung des Ausmaßes und der Systematizität der beschriebenen Variation, auf der Grundlage einer großen Datenbasis aus gut kontrollierten, experimentell zu erhebenden Produktionsdaten. Die empirischen Fakten werden anschließend verwendet, um die Adäquatheit einschlägiger grammatischer Modelle zu testen bzw., falls notwendig, um ein plausibleres Modell zu entwickeln. Einschlägige Modelle sind einerseits modulare Stratumtheorien, andererseits computationell implementierte Theorien, in denen sowohl morphophonologische Generalisierungen als auch morphophonologische Variation emergent als Effekte lexikalischer Organisation gedeutet werden. Vertreter solcher computationeller Theorien sind Analogical Modeling (Skousen & Stanford 2007) und Naïve Discriminative Learning (Baayen et al. 2011).

 

 

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