PROC: Die Online-Verarbeitung homophoner Wörter

Zusammenfassung

Eine zentrale Annahme einiger Projektvorschläge dieser Forschergruppe ist, dass es keine echte Homophonie lexikalisch gespeicherter Wortformen oder Affixe gibt, sondern Wortformen homophoner Wörter subtile subphonemische Unterschiede (z.B. Länge) aufweisen. Dies widerspricht den aktuellen Zweistufenmodellen der Sprachproduktion, die annehmen, dass Homophone separate Lemmata aber gemeinsame Wortformen haben. Letzeres wird durch den sogenannten Frequenzvererbungseffekt gestützt: bezüglich der Wahrscheinlichkeit phonologischer Fehler und der Benennungslatenz verhalten sich niedrigfrequente Wörter, für die es ein hochfrequentes homophones Wort  (z.B. Fliege) gibt, nicht wie andere niedrigfrequente Wörter, sondern eher wie Wörter, die so häufig sind wie beide homophone Wörter zusammen.

Projekt P7 wird diese Frage aus zwei Richtungen untersuchen. Zum einen sollten lexikalisch spezifizierte subphonemische Details von Homophonen für den Lexikonzugriff genutzt werden können. Mit Hilfe des elektrophysiologischen N400-Paradigmas werden wir untersuchen, ob Hörer Wortlängenunterschiede für Lexikonzugriff und semantische Integration von Homophonen in einen vorangehenden Satzkontext ausnutzen. Wir werden dabei auch homophone Paare von morphologisch einfachen und komplexen Wörtern, z.B.  MachtN  and machtV, 3.Sg, Präsens untersuchen. Die zweite Untersuchungsrichtung zielt darauf ab, die Verarbeitungsebene zu identifizieren, auf der eine frequenzabhängige Wortlängenreduktion erfolgt. Wir werden dazu ein behaviorales Paradigma entwickeln, das Frequenzvererbung und frequenzabhängige Wortlängenreduktion kombiniert. Außerdem werden wir ein kürzlich entwickeltes elektrophysiologisches Paradigma (P2-Paradigma) einsetzen, das geeignet ist, um den Einfluss der Wortfrequenz auf den lexikalischen Zugriff beim Sprechen von Wörtern zu untersuchen.

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